Hans Rosling (1948 – 2017) – Prophet einer besseren Welt?


Bevor Sie sich jetzt irritiert wieder von dieser Seite abwenden möchte ich gleich klarstellen: Hier geht es nicht um jemanden, der uns irgendwelche unrealistischen Heilsversprechungen macht. Kein Esoteriker, kein Politiker, auch kein Pop-Barde, der das nächste Live Aid Konzert plant. Es geht hier um die Vision einer besseren Welt, die völlig realistisch ist, an die zu glauben völlig rational ist – weil es sich um die reale Welt handelt, in der wir alle leben. Und es geht um den „Propheten“, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, uns von dieser Welt zu erzählen, und der vor wenigen Tagen leider verstorben ist: Der schwedische Arzt und Professor Hans Rosling.

Hans Rosling

Hans Rosling

Hans Rosling war ein schwedischer Arzt, der viele Jahre in sogenannten Entwicklungsländern in Afrika und Asien praktizierte. Er war Berater für die Weltgesundheitsorganisation WHO sowie für das UNO-Kinderhilfswerk Unicef und Gründungsmitglied der schwedischen Sektion von „Ärzte ohne Grenzen“. Seit 1999 war er Professor für Internationale Gesundheit am renomierten Karolinska Institut, der bedeutendsten medizinischen Universität Schwedens. Mehrere Erfahrungen, die er dabei machte, motivierten ihn schließlich zu einer Tätigkeit, mit der er einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde: Er hatte es sich zum Ziel gesetzt, Aufklärung über die globale Entwicklung der Menschheit zu betreiben und vor allem falsche Vorstellungen und Vorurteile darüber zu bekämpfen.

Die Weltbevölkerung wachse viel zu stark und erreiche bald ein Ausmaß, das zur Katastrophe führen werde. Gleichzeitig gehe die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auf, der Wohlstand werde immer ungerechter verteilt. Diese und andere Vorstellungen beherrschen unser Denken über die Welt und die Entwicklung der Menschheit. Doch vieles davon sind Mythen, die auf Halb- oder sogar Unwahrheiten beruhen. Tatsächlich gibt es genügend Daten und Statistiken (u.A. von den Vereinten Nationen), welche die globale Entwicklung sehr detailliert beschreiben und auf anderes schließen lassen. Hans Rosling erkannte ein wesentliches Problem: Diese Daten sind kaum bekannt. Sie müssen erst für eine breitere Öffentlichkeit sichtbar und vor allem verständlich gemacht werden. Um diese Lücke zu schließen hatte er gemeinsam mit seinem Sohn und seiner Schwiegertochter die Gapminder-Stiftung gegründet (benannt nach dem bekannten Warnhinweis in der Londoner U-Bahn: „Mind the gap – Achten Sie auf die Lücke (zwischen Zug und Bahnsteig)“).

Bekannt wurde Rosling vor allem durch seine humorvollen Vorträge bei diversen TED-Konferenzen. Besonders sein allererster Vortrag auf der TED Konferenz 2006 in Monterey, Kalifornien, ist hier zu erwähnen und wärmstens zu empfehlen:

Mit charmantem Humor beschreibt Hans Rosling in diesem Vortrag seine Erfahrungen über das Vorwissen der Studenten über Fragen der globalen Gesundheit. Er zeigt und kommentiert im Stil eines Sportkommentators, wie sich der Entwicklungstand der unterschiedlichen Länder der Welt seit 1962 bis heute komplett verändert hat, während wir heute teilweise immer noch den Zustand von damals im Kopf haben. Noch ausführlicher ist dieses Video, das in Zusammenarbeit mit der BBC entstand und die Entwicklung von 200 Ländern in 200 Jahren beschreibt:

Auch mit den Mythen, die sich um das globale Bevölkerungswachstum ranken, versuchte Rosling aufzuräumen. In diesem Video erklärt er, wieso es seit 1960 kein exponentielles Bevölkerungswachstum mehr gibt und die Weltbevölkerung nicht über 11 Milliarden Menschen hinauswachsen wird:

Wenn man sich die Vorträge von Rosling ansieht kommt man unweigerlich zu dem Schluss: Die Welt ist besser als wir glauben. Dabei verleugnete Hans Rosling nie, dass es globale Herausforderungen gibt, denen sich die Menschheit stellen muss. Sein Credo war, dass diese Herausforderungen schaffbar sind, wenn wir uns mit den Fakten auseinandersetzen. Oder wie er es selbst in einem Vortrag sage:

I’m not an optimist. Neither am I a pessimist. I’m a very serious „possibilist“. It’s a new category, where we take emotion apart and just work analytically with the world.
Ich bin weder Optimist noch Pessimist. Ich bin ein ernsthafter „Eventualist“. Es ist eine neue Kategorie, in der wir Gefühle beiseite lassen und uns analytisch mit der Welt beschäftigen.
https://youtu.be/fTznEIZRkLg?t=8m57s

Was hat dieses Thema mit Religion zu tun? Nun, ich würde sagen, die Vorträge von Hans Rosling zeigen auf, wie sehr der Glaube an moderne, teilweise äußerst dystopische Mythen unser Denken bestimmt. Wie stark wir unbewussten Dogmen wie dem exponentiellen Bevölkerungswachstum anhängen. Ich würde sagen das hat in einem negativen Sinne religiöse Züge. Hans Rosling hat mit der richtigen Strategie darauf geantwortet, indem er uns Zahlen und Fakten näher gebracht hat. Dabei hatten auch seine Vorträge oft den Charakter von religiösen Predigten, aber in einem positiven Sinne. Zum Beispiel dieser hier, wo er über die Magie der Waschmaschine erzählt:

In einem Vortrag über die Weltbevölkerung äußerte Hans Rosling 2015 die Hoffnung, dass er laut Statistik noch 15 Jahre leben wird und die Entwicklung der Welt weiter verfolgen wird können. Dieser Wunsch hat sich leider nicht erfüllt. Hans Rosling verstarb am 7. Februar 2017 an Pankreas-Krebs. Die Arbeit der Gapminder Foundation, Wissenslücken zu füllen, wird sicher weiter gehen, aber er hat mit seinem Tod selbst eine schmerzliche Lücke hinterlassen.

Bild: Tobias Andersson Åkerblom, Quelle, CC-BY


Über Martin Perz

Als Techniker vom Studium und Beruf her kümmert sich Martin Perz um den Online-Auftritt der Atheistischen Religionsgesellschaft. Als Webmaster ist er gewissermaßen der Hüter der (digitalen) Schlüssel dieser (virtuellen) Hallen hier. Gerne schreibt er aber auch als unabhängiger Denker zu weltanschaulichen Themen, Religion und Philosophie.

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