Diskussion mit Anderen

Erst in der Auseinandersetzung mit anderen Denkweisen wird oft richtig klar, wozu man selber steht. Dies ist auch für uns eine tragende Erfahrung. Diese Auseinandersetzung mit konkreten anderen Menschen zu führen bringt oft noch eine Steigerung der Intensität des Ich-Bewußtseins.

Martin Buber, ein wichtiger jüdischer Religionsphilosoph (der übrigens mit einer Katholikin verheiratet war) hat in seinem Hauptwerk “Ich und Du” den Dialog mit Mitmenschen sogar als ein Grundprinzip menschlicher Existenz gesehen: „Es gibt kein Ich an sich, sondern nur das Ich des Grundworts Ich-Du und das Ich des Grundworts Ich-Es.” (Er hat sogar die Beziehung zu den umgebenden Dingen als eine “dialogische” gesehen.)

Diskussion über weltanschauliche Grenzen hinweg ist ein besonders geeignetes Mittel, Gemeinsamkeiten wie Unterschiede zu anderen Glaubenssystemen herauszuarbeiten und darzustellen. Da von den Diskussionspartnern nicht immer nur auf die jeweils eigene Glaubensansicht Bezug genommen wird, werden dabei oft auch Gemeinsamkeiten oder Abgrenzungen zu Glaubenssystemen deutlich, die üblicherweise als “nichtreligiös” eingestuft werden.

Wir wollen diesen Dialog gerne so darstellen, dass die Sichtweise unserer jeweiligen Diskussionspartner möglichst authentisch wiedergegeben wird. Sehr oft zitieren wir daher. Dazu greifen wir aber weniger gern auf literarisch veröffentlichte Äußerungen zurück. Viel lieber ist uns, wenn auf Anfragen von uns mit direkten Antworten und Stellungnahmen reagiert wird. Oder natürlich auch, wenn solche Anfragen an uns gestellt werden.

Daher sprechen wir hier generell die Einladung an alle religiös und weltanschaulich Interessierten (Mitbewerber, Sympathisanten, etc.) aus, sich an solchem Dialog bzw. an solchen Diskussionen aktiv zu beteiligen.


Meine ersten Gehversuche im Dialog mit dem Islam (Teil 2)

Vergangene Woche berichtete ich hier in Teil 1 über meine ersten Versuche, einen interreligiösen Dialog mit Vertretern des Islam zu führen, welche ich 2004 in diversen Foren im Internet unternahm. In einem Forum stieß ich auf engagierte Diskussionspartner. Das erste Dialogthema, das von meiner Seite kam war ja folgende Idee: Aufgrund der (näherungsweisen) Kugelform der Erde müsste es doch für einen Muslim erlaubt sein, nicht in Richtung Mekka zu beten, sondern genau in die entgegengesetzte Richtung. Dieses Thema wurde intensiv diskutiert, wobei es erwartungsgemäß nicht auf vollständige Zustimmung stieß. Ich wollte aber nicht allzu lange mit dieser Fragestellung aufhalten. Dieser durchaus fruchtbare Diskurs motivierte mich, weitere Fragen an die Muslime im Forum zur Diskussion zu stellen. Darüber möchte ich nun hier im zweiten und letzten Teil dieser Serie berichten.

Sokrates (Soqrāt) in Diskussion mit seinen Schülern; Darstellung aus einem arabischen Manuskript aus dem 13. Jahrhundert n.Chr.

Die Kaaba in Mekka

Meine ersten Gehversuche im Dialog mit dem Islam (Teil 1) 1

Vor vielen Jahren, im Jahr 2004, führte ich zum ersten mal einen Dialog mit dem Islam, besser gesagt mit Muslimen. Zu dieser Zeit sah ich mich selbst noch nicht als Atheisten, eher als kritischen Katholiken (der ich zumindest laut Taufschein war) mit tendentiell agnostischer Grundhaltung. Die Terroranschläge vom 11. September lagen schon zwei Jahre zurück, der Irakkrieg ein Jahr. In der öffentlichen Meinung lag die Einstellung vor, dass ein Dialog mit dem Islam wichtig sei, um die gemäßigten Muslimen gegenüber Extremisten zu stärken. Ich selbst schloss mich dieser Meinung an. Doch ich wollte mich mit Lippenbekenntnissen zum Dialog nicht zufrieden geben. Ich wollte selbst aktiv werden, den Dialog mit Muslimen suchen. Wer soll es denn sonst machen, wenn nicht jede/r einzelne, die/der dazu bereit ist? Meine Erfahrungen aus dieser Zeit möchte ich hier nun teilen.


Wie theistische Theologie auf dem Weg zum Atheismus helfen kann (5)

Im Anschluß an die Radio-Diskussion eines katholischen Religionsjournalisten mit Professor K. P. Liessmann, die Thema im vorangegangenen Beitrag (4) war, hat sich eine weitere Korrespondenz ergeben. Ich habe ja sehr schade gefunden, dass Liessmann zu seiner Frage an den ORF-Journalisten Mag. jjj JJJ, wie dieser zur Behauptung komme, religiöse Erfahrung könne jeder machen, nicht auf eine konkretere Antwort gedrängt hat. So habe ich mir erlaubt, dem Herrn Magister diese Frage schriftlich zu stellen und – da sie nicht beantwortet wurde – bei einer späteren Gelegenheit zu urgieren.


Konrad Paul Liessmann

Wie theistische Theologie auf dem Weg zum Atheismus helfen kann (4) 1

Vielleicht ist es Ihnen aufgefallen: ich habe im Titel ein Wort geändert. Denn ich kann zwar auf einen Fundus von Äußerungen christlicher Theologen zurückgreifen, wichtiger wäre aber ein interreligiöser Dialog mit dem Islam. (Aktuell wäre Gedankenaustausch natürlich am wichtigsten mit jenen islamischen Theologen, die aus dem Hintergrund gewaltbereite Muslime zu religiös motiviertem Terror ermuntern – nur wird sich von denen leider kaum jemand dazu bereit finden.) Ich habe schon vor Jahren bei führenden Moslems angefragt, wie sie zur Güte Allahs stehen bzw. ob sie (ähnlich wie in den Antworten in den Beiträgen (1) und (3) behauptet wurde) ihren Glauben auf entsprechende Erfahrungen dieser Güte gründen – aber nie eine Antwort erhalten. (Wenn uns jemand helfen kann, diese Wissenslücke zu schließen, sind wir sehr dankbar!) Also muß vorläufig weiter die christliche Theologie Anschauungsbeispiele stellvertretend für andere Monotheismen liefern. Das erscheint mir zumindest insofern gerechtfertigt, als etwa fanatische Muslime ihren Botschaften sicher nicht weniger hörig sind als fanatische Christen.


Wie christliche Theologie auf dem Weg zum Atheismus helfen kann (3) 1

Im ersten Beitrag dieser Serie habe ich über die Anfrage an etliche kirchliche Theologen berichtet, die sich in den Jahren ab 2000 aus meinen Glaubenszweifeln ergeben hat,   Diesmal geht es um einen ausführlicheren Dialog, der sich daraus ergeben hat. Ein Assistent an der gleichen Universität wie Professor PPP (siehe Beitrag (2)), aber evangelisch, hatte zunächst auffallend freundlich geantwortet, z.B. mich gleich in der ersten Reaktion mit “lieber” Herr Geyer angesprochen. In ausführlicher Weise und u.a. an praktischen Beispielen mit seiner eigenen Vaterrolle versuchte er (wie auch manch andere, die es leider noch viel langatmiger taten) mir darzulegen, dass ich die Realität nicht richtig einschätze.

Gotthold Ephraim Lessing