Nachgedanke zur KAICIID-Konferenz zur Prävention von Hassrede


Vor ein paar Tagen hat in Wien eine KAICIID-Konferenz zur Prävention von Hassrede stattgefunden (“The Power of Words – The Role of Religion, Media and Policy in Countering Hate Speech”, 30.-31.10.2019). Ein tragender Grundgedanke dabei war für mich: Gewalt – und Hassrede – kann sehr unterschiedliche Formen annehmen.

Das „United Nations Office on Genocide Prevention and the Responsibility to Protect“ sagt in seinem „Plan of Action for Religious Leaders and Actors to Prevent Incitement to Violence that Could Lead to Atrocity Crimes“ auf Seite 2:

Incitement to violence is different from “hate speech”. While there is no legal definition of “hate speech”, and the characterisation of what is “hateful” is controversial, hate speech is normally defined as any kind of communication in speech, writing or behaviour, that denigrates a person or a group on the basis of who they are, in other words based on their religion, ethnicity, nationality, race or other identity factor. Hate speech may suggest that the person or group – it is usually groups – is inferior and that they should be excluded or discriminated against on this basis including, for example, by limiting their access to education, employment or political positions. While all incitement to discrimination, hostility or violence is hate speech, not all hate speech constitutes incitement.


Im Hinblick auf Religion besteht eine der großen Herausforderungen, so scheint mir, darin, mit wirklich offenen Augen nach gewalttätigen Worten und (Text-) Passagen auch in der jeweils eigenen religiösen Tradition zu suchen und überzeugende Antworten auf die Frage zu finden, wie man diese Worte und (Text-) Passagen auf unproblematische Arten und Weisen, die auch dem “Plan of Action” gerecht werden, verstehen kann. Könnten Gewalt und Hassrede auch in der jeweils eigenen religiösen Tradition gegenwärtig sein? Das ist vielleicht eine der religiös herausforderndsten Fragen, denen wir auf dem Weg eines engagierten Auftretens gegen Gewalt und Hassrede im Bereich der Religion begegnen.

Es ist daher sicherlich eine gute Idee, solche Worte und (Text-) Passagen sorgfältig zu studieren und zu bewerten und uns und andere kritisch darüber zu informieren, wie diese auf Arten und Weisen verstanden werden können, die den in der UNO-Deklaration der Menschenrechte verankerten Menschenrechten und dem erwähnten “Plan of Action” nicht widersprechen.

Ich denke, wir alle sind dazu aufgerufen, unsere Bemühungen zu stärken, uns gegenseitig zu helfen, Gewalt und Hassrede aus dem Bereich der Religion zu beseitigen. Es gibt und bleibt hier noch viel zu tun.

Wilfried Apfalter ist Präsidiumsmitglied der Atheistischen Religionsgesellschaft in Österreich (ARG)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.