FAQ


1. Jahrzehntelang wurden Religionen bekämpft um gesellschaftlichen Fortschritt zu ermöglichen, wieso sollten Atheistinnen und Atheisten sich jetzt als Religionsgemeinschaft organisieren?

Wer Gleichberechtigung sucht, wird sie nur unter jeweils ganz konkreten Bedingungen finden. In Österreich werden die Rechte und Pflichten von Religionsgemeinschaften ganz wesentlich vom Religionsrecht mitbestimmt; die Frage, was eine Religion ist und sein kann, bildet dabei einen zentralen Knotenpunkt, von dem vieles abhängt. Da wir uns als Atheistische Religionsgesellschaft mit religiösen Fragen beschäftigen und uns auch selber als religiöse Bekenntnisgemeinschaft verstehen, liegt es für uns nahe, uns auch rechtlich als Religionsgemeinschaft zu organisieren und eine volle Gleichberechtigung und Anerkennung als Religionsgesellschaft in Österreich anzustreben.

Wir wollen Religion (trotz allen Missbrauchs von Religion in der Weltgeschichte) so praktizieren, wie sie unserer Meinung nach ganz besonders praktiziert werden könnte: als praktische Lebenshilfe. Ideen dafür haben wir einige, und wir sind sehr offen und dankbar für konstruktive Anregungen und Hinweise.

2. Was motiviert euch zum Aufwand, eine atheistische Religion zu gründen?

Das ist nicht bei allen von uns gleich. Manche engagieren sich aus schlechten Erfahrungen, die sie in anderen Religionen hinter sich haben, und wollen etwas dazu beitragen, dass jeder eine Religion finden kann, in der er/sie sich wohlfühlt. Andere sind in ihrem Engagement zunächst ganz besonders davon fasziniert, eine Religion für Atheistinnen und Atheisten zu entwickeln und mitzugestalten, und halten das für eine in mehrfacher Hinsicht sehr spannende Herausforderung. Gemeinsam wollen wir alle eine Gleichberechtigung, eine Sichtbarmachung und eine Eröffnung neuer Räume kultureller Partizipation erreichen.

Dazu zählen unter anderem Fragen zu atheistischen Feiertagen, Weltinterpretationen, zur Sinn-Gebung/Suche/Schaffung, das Arbeiten mit Erzählungen und Bildern der Welt und vieles mehr. Alles das sind Themen, die für Atheist/innen derzeit nicht so leicht in gebündelter Form zugänglich sind wie für Angehörige anderer Konfessionen.

3. Besteht zwischen “Atheismus” und “Religion” nicht ein Widerspruch?

Nicht notwendigerweise. Ein Widerspruch besteht zweifellos zwischen „Atheismus“ und „Theismus“, da „Atheismus“ wörtlich genommen die Verneinung des „Theismus“ ist. Dieser Widerspruch besteht zwischen „Atheismus“ und „Religion“ aber nicht, da Religion nicht zwingend mit Theismus gleichzusetzen ist.

An dieser Stelle stoßen wir auf das Problem, dass es für den Begriff “Religion” keine allgemein akzeptierte Definition gibt. Religion erscheint uns als ein sehr vielschichtiges Phänomen der menschlichen Kultur, bei dem traditionellerweise auch ein Bezug zu Gottheiten häufig ein wichtiger (aber nicht der einzige) Teilaspekt ist. Wir sehen diesbezüglich die Möglichkeit (und stellen sie hiermit auch zur Diskussion), dass auch unser atheistischer Gottesbezug diesem Teilaspekt von „Religion“ gerecht wird. Hierbei möchten wir festhalten, dass wir, im Gegensatz zu vielen anderen Atheistinnen und Atheisten, „Religion“ nicht als grundsätzlich negativen Begriff auffassen.

Ob etwas in Österreich vom Kultusamt als “Religion” anerkannt wird oder nicht ist unter anderem auch eine rechtliche Frage. Als kleiner Gedankenanstoß kann vielleicht ein europarechtlicher Hinweis dienen. Die Richtlinie 2004/83/EG des Rates der Europäischen Union erklärt im Artikel 10 Absatz 1 Buchstabe b: “Der Begriff der Religion umfasst insbesondere theistische, nichttheistische und atheistische Glaubensüberzeugungen, die Teilnahme bzw. Nichtteilnahme an religiösen Riten im privaten oder öffentlichen Bereich, allein oder in Gemeinschaft mit anderen, sonstige religiöse Betätigungen oder Meinungsäußerungen und Verhaltensweisen Einzelner oder der Gemeinschaft, die sich auf eine religiöse Überzeugung stützen oder nach dieser vorgeschrieben sind.”

Ganz allgemein zu behaupten, kein „Atheismus“ könne jemals eine „Religion“ sein, erscheint uns als sehr fragwürdig. Wir laden demgegenüber dazu ein, unsere „Atheistische Religionsgesellschaft in Österreich“ sehr genau wahrzunehmen. Mit unserer Initiative beteiligen wir uns auch an der gesellschaftlichen Aushandlung dessen, was in Österreich heutzutage als „Religion“ wahrgenommen und angenommen wird.

„Widerspruch“ gibt es ganz sicher dort, wo widersprochen wird. Als “Atheistische Religionsgesellschaft in Österreich” widersprechen wir in der Frage, inwiefern Gottheiten existieren, durchaus vielen etablierten Religionen. Wir haben Freude daran, diesen Widerspruch interessant und fruchtbar zu gestalten.

4. Behauptet ihr, dass jeder Atheismus eine Religion ist?

Nein, das behaupten wir nicht. Wir nehmen aber an, dass Religion grundsätzlich auch atheistisch sein kann und möchten diese Idee theoretisch ausarbeiten und praktisch umsetzen. In Folge dessen nehmen wir ganz konkret für uns selbst in Anspruch, als “Atheistische Religionsgesellschaft in Österreich” eine religiöse Bekenntnisgemeinschaft zu sein, und sprechen für unsere eigene Anschauung.

5. Warum ladet ihr Atheistinnen und Atheisten in Österreich ein, ausgerechnet einer “religiösen Bekenntnisgemeinschaft” beziehungsweise “Religionsgesellschaft” beizutreten?

Manche Ziele kann man – schon allein aus rechtlichen Gründen! – auch beim besten Willen nicht als Einzelne/Einzelner erreichen, sondern nur durch gemeinsames Handeln. Über die Ziele unserer “Atheistischen Religionsgesellschaft in Österreich” informiert § 3 Absatz 1 unserer Statuten: “Als religiöse Bekenntnisgemeinschaft „Atheistische Religionsgesellschaft in Österreich“ verfolgen wir das langfristige Ziel einer vollen Gleichberechtigung und Anerkennung als Religionsgesellschaft in Österreich. Wir wollen damit neue Räume der kulturellen Partizipation eröffnen und einen gesellschaftlichen Wandlungsprozess dessen, was als Religion wahrgenommen, angenommen und wie sie gelebt wird, sichtbar machen.”

Eine staatliche Anerkennung als religiöse Bekenntnisgemeinschaft beziehungsweise Religionsgesellschaft ist nach derzeitiger Rechtslage der sicherste Weg zu einer vollen Gleichberechtigung vor dem und durch den Staat. Nach dem Gesetz ist dafür jeweils ein organisierter Zusammenschluss mehrerer Personen erforderlich. Das “Bundesgesetz über die Rechtspersönlichkeit von religiösen Bekenntnisgemeinschaften” (BGBl. I Nr. 19/1998 in der geltenden Fassung) verlangt in § 3 Absatz 3 für eine “staatlich eingetragene religiöse Bekenntnisgemeinschaft” 300 Mitglieder und in § 11 Ziffer 1 Buchstabe d für eine gesetzlich anerkannte Religionsgesellschaft etwa 17.000 Mitglieder (2 Promille der Bevölkerung Österreichs). Was wir jetzt tun, tun wir auch – ganz im Sinne eines freundlichen Weges zu nachhaltiger Gleichberechtigung – für die Zukunft. Jeder einzelne Beitritt unterstützt uns wirkungsvoll!

6. Ich sympathisiere mit Atheismus. Was kann mir die ARG bieten?

Manche sind überrascht, wie viele gute Argumente es für unsere religiöse Sicht gibt, und wie sehr sie dadurch innerlich frei werden, ihnen diese Sicht also letztlich das Leben erleichtert.
(Und die Vermittlung solchen Grundwissens  wollen wir immer gratis und unabhängig von einer Mitgliedschaft anbieten.)

Darüber hinaus überlegen wir, bei Bedarf (d.h. wenn es genug Menschen gibt, die das wollen) “intensivere” Zugänge anzubieten: etwa Veranstaltungen (Gesprächsrunden, Seminare, …) in denen die Welt aus atheistischer Perspektive gedacht und erschlossen werden kann, oder Aktivitäten zur Abdeckung emotionaler Bedürfnisse (im Alltag oder Jahresablauf, oder bezogen auf besondere Lebenssituationen wie Geburt, Erwachsenwerden, Zivil- oder Wehrdienst, Partnerschaftsbeginn und -ende, Krankheit, Tod) adäquate Unterstützungsangebote (Zuhören, Zuspruch, Rituale). Dazu haben wir aber derzeit noch eher vage Pläne.

7. Wäre euer Atheismus nach einer Anerkennung dann nicht auch nur ein anerkannter Glaube unter anderen?

Nicht nur, aber auch. Die Anerkennung durch den Staat würde nichts an der inhaltlichen Richtigkeit oder am Wirklichkeitsbezug unseres Atheismus ändern. Sie würde aber sehr viel an der Einstellung des Staates gegenüber dem Atheismus (in unserem Verständnis und wohl auch im Allgemeinen) ändern, da er dann rechtlich den anderen Religionen und Bekenntnisgemeinschaften gleichgestellt wäre. Dies würde sicher auch entsprechende gesellschaftliche Impulse setzen und wohl auch international Beachtung finden.

Wenn man Atheismus als Glaube betrachtet, so ist er das mit oder ohne Anerkennung als Religion.

8. Verlangt ihr von allen Atheistinnen und Atheisten in Österreich, dass sie eure “Religionslehre” teilen?

Nein, das verlangen wir natürlich nicht. Wir erlauben uns allerdings, als “Atheistische Religionsgesellschaft in Österreich” unsere eigene “Religionslehre” im § 2 unserer Statuten darzustellen – so wie es das “Bundesgesetz über die Rechtspersönlichkeit von religiösen Bekenntnisgemeinschaften” (BGBl. I Nr. 19/1998 in der geltenden Fassung) im § 4 Absatz 1 Ziffer 2 verlangt.

9. Ich bin Atheist/in, und religiös, aber mit eurer Religionslehre / euren Werten nicht einverstanden. Welche Chancen habe ich, meine Ansichten bei euch durchzusetzen?

Wir sind grundsätzlich immer offen für neue Vorschläge und konstruktive Kritik. Sie können (und sollten aus unserer Sicht auch) Ihre Ansichten und Argumente gegenüber dem Präsidium und den Mitgliedern darlegen. Wenn sie gut begründet sind, dann sind die Chancen durchaus gut, dass Ihre Ansichten bei uns Anklang finden. Auf jeden Fall sehen wir die Möglichkeit, dass dabei ein fruchtbarer Dialog zustande kommen kann, der beide Seiten weiterbringt.

Wenn Sie diesen Weg nicht gehen wollen, steht es Ihnen nach dem Bekenntnisgemeinschaftengesetz frei, Ihre eigene Religionsgemeinschaft zu gründen. Wie bereits erwähnt vertreten wir nicht alle Atheist/innen in Österreich, sondern nur diejenigen, die sich mit unserer Religionslehre und unseren Werten identifizieren, sprich unsere Mitglieder.

10. Vereinnahmt ihr mit eurem Namen alle Atheistinnen und Atheisten?

Nein, das tun wir nicht. Unser Name “Atheistische Religionsgesellschaft in Österreich” weist nur sehr deutlich auf den Atheismus nach unserem Verständnis hin. Das “Bundesgesetz über die Rechtspersönlichkeit von religiösen Bekenntnisgemeinschaften” (BGBl. I Nr. 19/1998 in der geltenden Fassung) verlangt in § 4 Absatz 1 Ziffer 1, dass der Name der religiösen Bekenntnisgemeinschaft “so beschaffen sein muss, dass er mit der Lehre der religiösen Bekenntnisgemeinschaft in Zusammenhang gebracht werden kann und Verwechslungen mit bestehenden religiösen Bekenntnisgemeinschaften mit Rechtspersönlichkeit und gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften oder deren Einrichtungen ausschließt”.

11. Wären im Falle eurer Anerkennung als Religionsgemeinschaft durch das Kultusamt alle Atheistinnen und Atheisten als Mitglieder einer Religionsgemeinschaft (zwangs-) anerkannt?

Nein, eine Anerkennung der “Atheistischen Religionsgesellschaft in Österreich” als Religionsgemeinschaft durch das Kultusamt würde ausschließlich unseren eigenen religionsrechtlichen Status ändern. Für Atheistinnen und Atheisten, die nicht bei uns Mitglied sind, würde sich dadurch keine Änderung ihres religionsrechtlichen Status’ ergeben.

12. Erhebt ihr den Anspruch, alle Atheistinnen und Atheisten in Österreich zu vertreten?

Nein, diesen Anspruch erheben wir nicht. Wir beanspruchen, unsere atheistische Weltanschauung zu vertreten, und laden dazu ein, sich mit ihr auseinander zu setzen. Weiters erheben wir gegenüber uns selbst den Anspruch, unseren Mitgliedern, die sich zu diesem Atheismus bekennen, auf Augenhöhe zu begegnen, sie bestmöglich zu begleiten und unser Weltbild gemeinsam zu vertiefen und weiter zu entwickeln.

13. Seid ihr ein Verein?

Nein, die “Atheistische Religionsgesellschaft in Österreich” ist kein Verein.

14. Würde das Kultusamt im Falle eurer Eintragung alle atheistischen Vereine auflösen müssen?

Nein, wir nehmen an, dass dies nicht so wäre – das “Bundesgesetz über die Rechtspersönlichkeit von religiösen Bekenntnisgemeinschaften” (BGBl. I Nr. 19/1998 in der geltenden Fassung) schreibt ja im § 2 Absatz 4 nur vor: “Mit dem Feststellungsbescheid nach Abs. 3 hat der Bundesminister für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten die Auflösung jener Vereine zu verbinden, deren Zweck in der Verbreitung der Religionslehre der betreffenden religiösen Bekenntnisgemeinschaft besteht.” Vereine, deren in den Vereinsstatuten festgelegter Zweck nicht ausdrücklich in der Verbreitung der Religionslehre unserer “Atheistischen Religionsgesellschaft in Österreich” (dargestellt im § 2 unserer Statuten) besteht, wären also, so nehmen wir an, im Falle unserer Eintragung durch das Kultusamt von dieser gesetzlichen Regelung nicht betroffen. Ganz besonders, so nehmen wir an, wären natürlich keine Vereine betroffen, deren Zweck überhaupt gar nicht in der Verbreitung irgendeiner Religionslehre besteht. Zur Sicherheit bestimmt das Gesetz im § 3 Absatz 4 ausdrücklich: “Im Bundesgebiet bestehende Vereine, deren Zweck in der Verbreitung der Religionslehre der religiösen Bekenntnisgemeinschaft besteht, haben im Verfahren Parteistellung; sie sind mit dem Antrag namhaft zu machen.” Wir nehmen an, dass durch diese Bestimmung jeder Verein, der im Falle eines für uns positiven Feststellungsbescheides durch das Kultusamt aufgelöst werden müsste, im Verfahren Parteistellung erhält.

15. Habt ihr schon einen Antrag auf Feststellung des Erwerbes der Rechtspersönlichkeit beim Kultusamt gestellt?

Nein, einen Antrag auf Feststellung des Erwerbes der Rechtspersönlichkeit gemäß § 3 des “Bundesgesetzes über die Rechtspersönlichkeit von religiösen Bekenntnisgemeinschaften” (BGBl. I Nr. 19/1998 in der geltenden Fassung) haben wir noch nicht gestellt.

16. Seid ihr schon einmal vom Kultusamt abgelehnt worden?

Nein, wir sind noch nie vom Kultusamt abgelehnt worden, und es wurde auch noch nie ein Antrag von uns durch das Kultusamt abgewiesen. Der Antrag auf Feststellung des Erwerbes der Rechtspersönlichkeit, der am 11.6.2014 und am 5.6.2015 vom Kultusamt abgewiesen wurde, wurde nicht von uns sondern von der “Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters” (KdFSM) gestellt. Wir sind nicht die “Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters”.

17. Ist es wirklich sinnvoll, eine Gleichberechtigung anzustreben? Wäre es nicht sinnvoller, die derzeitige Sonderstellung/Privilegierung von Religionsgemeinschaften komplett abzuschaffen?

Ja, wir finden, dass es wirklich sinnvoll ist, eine Gleichberechtigung anzustreben. Eine Gleichberechtigung beendet rechtliche Bevorzugungen und stärkt die gesellschaftliche Chancengleichheit für alle ganz wesentlich.

Gleichberechtigung und Abschaffung der Sonderstellung/Privilegierung schließen einander nicht aus. Wir vermuten allerdings, dass eine Reduzierung der religionsrechtlichen Sonderstellung/Privilegierung von Religionsgemeinschaften in Österreich auch in nächster Zeit allein durch politische Entscheidungen eher nicht angestoßen werden wird und eine Gleichberechtigung deutlich früher erreichbar ist. Einige von uns unterstützen persönlich eine sehr weit gehende Trennung von Religion und Staat. Gleichzeitig wollen wir eine allgemeine Gleichberechtigung unserer “Atheistischen Religionsgesellschaft in Österreich” mit den etablierten Religionsgemeinschaften. Ob diese Gleichberechtigung mit oder ohne die derzeitige Sonderstellung/Privilegierung von Religionsgemeinschaften erreicht wird ist in unseren Augen eine politische Frage, die auch politisch entschieden wird.

18. Ist es ausgeschlossen, dass eure (angestrebte) Eintragung als staatlich eingetragene religiöse Bekenntnisgemeinschaft einen Anstoß zu einer Umgestaltung des österreichischen Religionsrechts in Richtung einer Reduzierung der besonderen Stellung von Religionsgemeinschaften geben könnte?

Nein, das ist nicht ausgeschlossen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass unsere (angestrebte) Gleichberechtigung mit den derzeit staatlich eingetragenen religiösen Bekenntnisgemeinschaften (und danach mit den derzeit gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften) einigen politisch ausreichend einflussreichen Menschen so unangenehm sein könnte, dass sie lieber eine Reduzierung der rechtlichen Sonderstellung/Privilegierung von staatlich eingetragenen religiösen Bekenntnisgemeinschaften (und danach von gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften) in die Wege leiten als ertragen zu müssen, dass auch wir als “Atheistische Religionsgesellschaft in Österreich” diese rechtliche Sonderstellung/Privilegierung ungeschmälert genießen können.

19. War alles vergeblich, wenn ihr nicht als Religionsgemeinschaft anerkannt werdet?

Nein. Wenn wir vom Kultusamt nicht als Religionsgemeinschaft anerkannt werden, aber alle sonstigen Bedingungen erfüllen, dann haben wir nach Ansicht führender österreichischer Religionsrechts-Fachleute beste Chancen, auf dem Rechtsmittelweg (etwa vor dem Verfassungsgerichtshof oder vor einer europäischen Rechtsinstanz) dennoch eine volle Gleichberechtigung zu erlangen.

20. Kann ich bei euch Mitglied werden und gleichzeitig für die Trennung von Religion und Staat und für die Abschaffung der Sonderstellung/Privilegien von Religionsgemeinschaften sein, ohne mir selbst zu widersprechen?

Ja, unserer Ansicht nach ist das möglich. Unser langfristiges Ziel einer vollen Gleichberechtigung und Anerkennung als Religionsgesellschaft in Österreich ist – genau betrachtet – sehr gut mit einer Trennung von Religion und Staat und mit einer Abschaffung der Sonderstellung/Privilegien von Religionsgemeinschaften vereinbar. Eine Gleichberechtigung setzt gleiche Rechte voraus, sie setzt keine Sonderstellung/Privilegien voraus. Anerkannte Religionsgesellschaften könnten auch ohne rechtliche Sonderstellung/Privilegien anerkannte Religionsgesellschaften sein.

Ein Inserat der Initiative “Religion ist Privatsache” im “Standard” (12.12.2010, Seite 6; namentlich unterstützt von Wilfried Apfalter, Mitglied des Präsidiums der Atheistischen Religionsgesellschaft) kann hier heruntergeladen werden.

21. Muss ich wirklich aus meiner derzeitigen staatlich anerkannten Religionsgemeinschaft (also gesetzlich anerkannten Kirche/Religionsgesellschaft beziehungsweise staatlich eingetragenen religiösen Bekenntnisgemeinschaft) austreten, wenn ich Mitglied der ARG werden will?

Ja, gemäß § 5 Absatz 1 der Statuten steht ein Beitritt nur jenen offen, die weder einer staatlich eingetragenen religiösen Bekenntnisgemeinschaft noch einer gesetzlich anerkannten Kirche oder Religionsgesellschaft angehören. Diese Einschränkung ist notwendig, weil es das “Bundesgesetz über die Rechtspersönlichkeit von religiösen Bekenntnisgemeinschaften” (BGBl. I Nr. 19/1998) in der geltenden Fassung im § 3 Absatz 3 so verlangt.

Wir verstehen, dass es durchaus Gründe geben kann, (weiterhin) Mitglied in der bisherigen staatlich anerkannten Religionsgemeinschaft zu bleiben, auch wenn sich die innere Einstellung bzw. der Glaube geändert hat, und bedauern, dass eine Mitgliedschaft bei uns in diesem Fall nicht möglich ist. Selbstverständlich können Sie die Atheistische Religionsgesellschaft aber auch als Nicht-Mitglied gerne unterstützen!

22. Kann ich Mitglied der ARG werden, wenn ich jünger als 14 Jahre bin?

Nein, ein Beitritt ist erst ab einem Alter von 14 Jahren möglich. Wir haben uns bewusst dazu entschieden, nur Personen aufzunehmen, die das gesetzliche Alter der vollen Religionsmündigkeit bereits erreicht haben. Das ist nach derzeitiger Rechtslage (§ 5 des “Bundesgesetzes über die religiöse Kindererziehung“) mit der Vollendung des 14. Lebensjahres der Fall. Es ist uns ein besonderes Anliegen hier mit gutem Beispiel voranzugehen: Wir wollen damit einerseits sicherstellen, dass jedem Mitglied ein Austritt wirklich jederzeit rechtlich möglich ist, und andererseits sicher verhindern, dass religionsunmündige junge Menschen nach einem Beitritt zu uns unter negativen Reaktionen ihres sozialen Umfeldes leiden. Wir freuen uns aber sehr, wenn du uns weiterhin gewogen bleibst!

23. Wäre es ein Problem, wenn ich gleichzeitig euch und zum Beispiel die “Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters” durch eine Mitgliedschaft unterstütze?

Gleichzeitig Mitglied der “Atheistischen Religionsgesellschaft in Österreich” und einer anderen Religionsanerkennungsinitiative zu sein ist/wäre nach staatlichem Religionsrecht solange unproblematisch, solange noch keine der beiden Initiativen einen Antrag auf Feststellung des Erwerbes der Rechtspersönlichkeit beim Kultusamt gestellt hat. Mit der Antragsstellung ist dann allerdings die Mitgliedschaft für die Dauer des Verfahrens bis zur Entscheidung des Kultusamtes de facto quasi für die antragstellende Initiative reserviert. Daraus erwächst dann ein Problem für die jeweils andere Initiative. Daher hoffen wir, dass möglichst viele unserer Mitglieder nur bei uns Mitglied sind.

Ein solcher Antrag der “Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters” (KdFSM) auf Feststellung des Erwerbes der Rechtspersönlichkeit ist am 28.4.2014 beim Kultusamt eingelangt und wurde am 11.6.2014 vom Kultusamt abgewiesen. Seit dem 12.1.2015 gibt es dazu auch einen Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts, mit dem der Bescheid des Kultusamtes aufgehoben und das Verfahren an das Kultusamt zurückverwiesen wird. Am 5.6.2015 wurde der Antrag vom Kultusamt wiederum abgewiesen.

Wir selbst haben noch keinen Antrag beim Kultusamt gestellt.

24. Wäre ich verpflichtet, mich bei einem Beitritt einem der in § 2 Absatz 3 der Statuten genannten Riten anzuschließen?

Nein, eine solche Verpflichtung besteht nicht. Ein im § 2 Absatz 3 unserer Statuten genannter Ritus wird/ist nur für jene Mitglieder verbindlich, die sich persönlich für ein Leben gemäß diesem Ritus entschieden haben; die Verbindlichkeit besteht jeweils bis zu dem Zeitpunkt, mit dem das jeweilige Mitglied seine Entscheidung zurücknimmt (siehe § 4 Absatz 4 der Statuten).

25. Muss ich wieder austreten, wenn ich keinen Wohnsitz mehr in Österreich habe?

Nein, ein Austritt ist nicht erforderlich. Wir bitten aber um eine entsprechende Mitteilung an uns.

26. Behandelt ihr meine Mitgliedschaft möglichst vertraulich?

Ja, selbstverständlich! Wir behandeln Ihre Mitgliedschaft möglichst vertraulich (siehe dazu § 8 Absatz 3 unserer Statuten). Solange Sie uns nicht ganz ausdrücklich und ganz konkret etwas anderes (zum Beispiel die Nennung als Mitglied in einem Testimonial) erlauben werden wir auch nichts anderes tun.

27. Ist euch klar, dass nach euren Statuten nicht jeder die gleichen formalen Mitbestimmungsrechte bei euch hat?

Ja, die Beschränkung der formalen Mitbestimmungsrechte auf die Mitglieder des Präsidiums ist uns durchaus bewusst. Allerdings ist eine Organisation mit gleichberechtigter Mitbestimmungs- und Entscheidungsbefugnis aller bei mindestens 300 Mitgliedern einfach nicht praktikabel. Unsere Strukturen sind noch im Aufbau begriffen und keinesfalls “in Stein gemeißelt”. In der derzeitigen Situation erscheint uns die bestehende Organisationsstruktur als die unkomplizierteste Lösung. Wenn die Mitgliederzahl der Atheistischen Religionsgesellschaft weiter anwächst, werden wir selbstverständlich auch die Organisationsstruktur entsprechend anpassen.

Wir möchten betonen, dass wir, das Präsidium, uns keinesfalls als “autoritäre Herrscher” der ARG sehen, sondern vor allem als organisatorische Leiter, und für die Belange unserer Mitglieder immer ein offenes Ohr haben. Gemäß § 4 Absatz 2 unserer Statuten haben alle Mitglieder das Recht, dem Präsidium in allen Angelegenheiten der ARG Vorschläge zu unterbreiten. Um diese Möglichkeit der Partizipation zu vereinfachen, haben wir das Mitgliederforum eingerichtet, in dem sich unsere Mitglieder mit dem Präsidium und auch untereinander austauschen können. Wir hoffen, dass diese Möglichkeiten sowie die unkomplizierten Ein- und Austrittsmodalitäten und die kostenlose Mitgliedschaft das theoretisch bestehende Demokratiedefizit der derzeitigen Organisationsstruktur praktisch wettmachen. Für umsetzbare Verbesserungsvorschläge sind wir natürlich immer offen und dankbar!

28. Wie kann ich die Atheistische Religionsgesellschaft unterstützen?

Da gibt es einige Möglichkeiten:

  1. Durch eine kostenlose Mitgliedschaft. Wir benötigen mindestens 300 Mitglieder mit Wohnsitz in Österreich, um die Eintragung als religiöse Bekenntnisgemeinschaft mit Aussicht auf Erfolg beantragen zu können. Und wir werden etwa 17.000 Mitglieder benötigen, um dann einmal auch die gesetzliche Anerkennung als Religionsgesellschaft mit Aussicht auf Erfolg beantragen zu können. Ihre Mitgliedschaft hilft uns sehr!!!
  2. Durch Werbung für uns. Sie können die Atheistische Religionsgesellschaft in Ihrer Umgebung sehr gerne aktiv bekanntmachen. Wenn Sie eine Website haben, können Sie uns dort sehr gerne verlinken. Auf Facebook können Sie die Facebook-Seite “Atheistische Religionsgesellschaft in Österreich – atheistisch.at” sehr gerne liken.
  3. Durch eigene Ideen, Projekte und Beiträge, wie zum Beispiel journalistische Berichterstattung, Leserbriefe (zum Beispiel an regionale Tageszeitungen), künstlerische Arbeiten, Textübersetzungen (zum Beispiel von Texten dieser Website – durch eine gute Übersetzung etwa ins Englische und/oder ins Französische können Sie uns sehr helfen!), Vorschläge für und digitale Verwirklichung von Werbung für uns im Internet, Mithilfe beim Vorbereiten und Betreuen eines Infostandes, Vorschläge und Vorbereitungen für (zum Beispiel Diskussions-) Veranstaltungen, Vermittlung einer offiziellen Gesprächs- oder Diskussions-Einladung in eine (zum Beispiel Religions- oder Philosophie-) Unterrichtsstunde, Vorbereitungen für eine atheistische (zum Beispiel Militär-, Krankenhaus- oder Hospiz-) “Seelsorge” (zum Beispiel durch Überlegungen zum Tätigkeits- und Qualifikationsprofil und zur professionellen Unterstützung), unterstützende Beratung, inhaltliche Verbesserungsvorschläge (auch zum Beispiel zu den Statuten!), konstruktive Kritik, konkrete Hinweise (zum Beispiel auf Leserbriefe oder Medienberichte über uns und auf Printmedien, in denen wir kostenlos inserieren können) oder was Ihnen sonst noch am Herzen liegt.
  4. Durch Spenden an unseren Förderverein “Pro ARG – Förderverein für die (geplante) Atheistische Religionsgesellschaft in Österreich (ARG)” (ZVR-Zahl: 357478224). Spenden ab einer Höhe von 1,- Euro können gerne an das Spendenkonto unseres Fördervereins (IBAN: AT93 6000 0104 1028 2335; BIC: BAWAATWW) gerichtet werden. Vielen Dank für Ihre Spende!!

Wir freuen uns über jede Form einer Unterstützung!

29. Kann ich mich bei euch auch aktiv engagieren?

Ja, sehr gerne! Wenn Sie Lust und Zeit haben, an diesem spannenden Projekt auch aktiv mitzuarbeiten und kreativ mitzugestalten: Wir Präsidiumsmitglieder sind schon neugierig … und möchten Sie dazu ermuntern, uns einfach mal bei Gelegenheit zu kontaktieren (E-Mail-Adresse: praesidium@atheistisch.at)! Wir treffen uns sehr gerne zu einem persönlichen Kennenlern-Gespräch mit Ihnen. Ganz besonders würde uns ein mitgebrachter Stapel neuer Beitritte beeindrucken oder ein (zum Beispiel religions- oder rechts-) wissenschaftlicher Text mit verblüffend starken Argumenten zu Gunsten unserer “Atheistischen Religionsgesellschaft in Österreich”.