Die Evolution der Kalender


Heute ist Sonntag, der 31.12.2017. Wir alle wissen Bescheid, was es mit dieser Zahlenkombination auf sich hat. Das Datum, Wochentage, Monate und Jahreszahlen, all das sind Konzepte, die wir verinnerlicht haben, nach denen wir unser tägliches Leben ausrichten. Doch wie entstand das Kalendersystem, das wir heute Kennen? Dies ist der Versuch einer kurzen Geschichte des Kalenders, mehr oder weniger zusammengereimt von interessierten Laien.

Zählen der Tage

Die grundlegende Motivation des Menschen, die Zeit zu ordnen, hat wohl ihren Ursprung in der Sesshaftwerdung des Menschen. In den meisten Gegenden dieser Welt gibt es Jahreszeiten. Um erfolgreich Ackerbau und Viehzucht betreiben zu können war es notwendig, zu wissen, wann es kalt wird und wann wieder wärmer. Um diese Vorhersagen treffen zu können, war es hilfreich, wenn es im Stamm nicht nur gute Jäger und Sammler gab, sondern auch scharfe Beobachter und gute Rechner. Sie beobachteten wohl sehr früh, dass der Wechsel der Jahreszeiten nach einem bestimmten Muster folgt und sich die Hitze- und die Kältezeit in regelmäßigen Abständen wiederholt. Durch zählen der Tage konnte mit der Zeit wohl gut abgeschätzt werden, wie viel Zeit die Frucht auf dem Acker noch zum Wachsen hat, bevor es zu kalt wurde.

Das Uhrwerk am Himmel

Es gab wohl immer schon Menschen, die den Dingen auf den Grund gehen wollten. Einige von ihnen wurden beim Blick nach oben fündig. Sie fanden heraus, dass der Wechsel der Jahreszeiten im Zusammenhang steht mit der Bahn, die die Sonne tagsüber über den Himmel nimmt, und mit den Sternbildern am Nachthimmel, von denen viele nur zu bestimmten Zeiten zu sehen sind. Der Himmel schien ein großes Uhrwerk zu sein, dass es zu ergründen galt. Die Astronomie war geboren.

Die meisten Kalender, die die Menschheit bisher entwickelt hat, basieren im Wesentlichen auf astronomischen Erkenntnissen. Man kann sie prinzipell in zwei Kategorien teilen, nämlich Sonnenkalender und Mondkalender. Bei Sonnenkalendern, zu denen auch der Gregorianische Kalender zählt, haben als Bezugseinheit das Sonnenjahr. Ein Sonnenjahr ist, wie wir heute wissen, jener Zeitraum, in dem die Erde einmal eine vollständige Umrundung um die Sonne vollführt. Prähistorische Astronomen hatten natürlich noch nicht die Vorstellung vom heliozentrischen Weltbild. Ihnen blieb nur die Beobachtung, dass die Länge eines Tages und die Höhe der Sonne am Himmel zur Mittagszeit einer periodischen Schwankung unterworfen sind, deren Periodendauer etwa 365 Tage beträgt.

Die zweite große Kategorie von Kalendern sind Mondkalender. Sie beruhen auf jenem Zeitraum, in dem die Mondphasen eine volle Periode, also von einem Neumond zum nächsten, durchlaufen. Das sind etwa 29 Tage, also etwa ein Monat (es ist kein Zufall, dass der Begriff „Monat“ vom Wortstamm her mit „Mond“ im Zusammenhang steht).

Korrekturen der Kalender

Das Bild vom himmlischen Uhrwerk wird schon bei genauerer Betrachtung von Mond und Sonne etwas getrübt: Eine Mondperiode und ein Sonnenjahr sind nicht ganz kompatibel zueinander. Mit einem Mondkalender kann man kein komplettes Sonnenjahr abdecken, denn zwölf Mondperioden („Monate“ im ursprünglichen Sinne des Wortes) ergeben nur knapp 360 Tage, was kürzer als ein Sonnenjahr ist.. Umgekehrt kann man einem Sonnenkalender nicht vollständig in ganze Mondperioden unterteilen. Ein interessanter Kompromiss waren sogenannte „Lunisolarkalender“, welche beide Systeme verknüpfen wollten. Der chinesische Kalender ist ein Beispiel dafür. Dieser Kalender kompensiert die Tatsache, dass zwölf Mondperioden kürzer sind als ein Sonnenjahr, damit,dass zwischendurch Schaltmonate eingefügt werden, es also Jahre mit 13 Monaten gibt.

Dennoch setzt sich weltweit ein Sonnenkalender durch. Er hat aber ein weiteres Problem: Ein Sonnenjahr dauert nicht exakt 365 Tage, sondern ein paar Stunden länger. Das hat zur Folge, dass sich der Kalender im Bezug auf das reale Sonnenjahr langsam verschiebt. Diese Problematik kannten offenbar schon die alten Ägypter bei ihrem Sonnenkalender. Sie hatten auch eine Lösung parat: Schalttage, also zusätzliche Tage in bestimmten Jahren, welche diese Verschiebung ausglichen. Im römischen Reich wurde ein Kalender mit einem Schaltjahr alle vier Jahre durch Julius Cäsar im Jahr 47 v. Chr. durchgesetzt. Wir nennen diesen Kalender nach ihm den „Julianischen Kalender“

Doch auch der Julianische Kalender löste das Verschiebungsproblem nicht vollständig. Im 16. Jahrhundert n. Chr. Hatte sich der Frühlingsanfang bereits um zehn Tage verschoben. Da aber bereits im Konzil von Nicäa 325 n.Chr. festgelegt wurde, dass der Frühling am 21. März zu beginnen hat, wurde eine Korrektur durchgeführt. Im Jahr 1582 wurden zehn Tage im Kalender übersprungen, und neue, etwas kompliziertere Regeln für Schalttage festgelegt.

Kalender hier und heute

Inzwischen wissen wir, dass unser Sonnensystem kein perfektes Uhrwerk ist, sondern ein ziemlich chaotisches System. Prozesse im einzelnen Atom oder im Atomkern sind viel genauere Zeitmesser. Heute können wir mit Atomuhren die Zeit so genau messen, dass wir wissen, dass die Erdrotation schwankungen unterworfen wird und langfristig betrachtet immer langsamer wird. Deshalb ist es heute schon notwendig, zwischendurch „Schaltsekunden“ einzuführen, um diese Verlangsamung der Erdrotation auszugleichen.

Man kann sich natürlich die Frage stellen: Warum so genau? Warum verwenden wir überhaupt Schaltsekunden? Warum halten wir uns an Kalender mit komplexen Regeln für Schalttage? Brauchen wir das wirklich? Die ehrliche Antwort ist: Nein, wir bräuchten es nicht so genau, aber wir machen es so, weil wir es können.

Eigentlich ist das eine Frage, die sich heutzutage schlicht und einfach nicht mehr stellt. Unsere Vorfahren haben sich intensiv mit der Messung und Ordnung der Zeit in Kalendern beschäftigt, die Kalendersysteme immer weiter verbessert, und uns mit dem Gregorianischen Kalender einen sehr ausgeklügelten Kalender vorgelegt. Wir haben ihn einfach übernommen und heutzutage komplett verinnerlicht. Wir hätten diesen Kalender vielleicht nicht unbedingt in dieser Genauigkeit gebraucht, aber jetzt haben wir ihn. Und mit ihm einen einfaches System, um festzustellen, wann es etwas besonderes zu Beachten oder zu Feiern gibt. Zum Beispiel den heutigen Tag, an dem wir wieder einmal ein Jahr zu Ende gehen lassen und uns auf das neue freuen. Damit wünschen wir einen guten Rutsch ins Jahr 12018. Ja, sie haben richtig gelesen, 12018. Was es mit dieser Jahreszahl auf sich hat, dazu morgen mehr.


Über Martin Perz

Als Techniker vom Studium und Beruf her kümmert sich Martin Perz um den Online-Auftritt der Atheistischen Religionsgesellschaft. Als Webmaster ist er gewissermaßen der Hüter der (digitalen) Schlüssel dieser (virtuellen) Hallen hier. Gerne schreibt er aber auch als unabhängiger Denker zu weltanschaulichen Themen, Religion und Philosophie.

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