Towel Day 2020 – Keine Panik, auch in Zeiten der Pandemie


Vor 19 Jahren, am 11. Mai 2001, verstarb Douglas Adams, der Erfinder der satirischen Science-Fiction Reihe “Per Anhalter durch die Galaxis”, welche sich um den gleichnamigen fiktiven Reiseführer dreht. Unter seinen Anhängern weltweit verbreitete sich darauf rasch die Idee, einen Gedenktag zu begehen: Den Towel Day, an dem jeder Anhalter ein Handtuch mitnehmen sollte. Schon am 25. Mai 2001 wurde er das erste mal begangen. Auch heuer, 19 Jahre danach, ist diese Tradition für Anhänger der “Anhalter”-Serie ein fixer Bestandteil des Jahreskeises.

Das Brauchtum des Towel Day ist einfach erklärt: An diesem Tag sollte jeder ein Handtuch bei sich tragen, wohin er auch geht. Dies geht auf den folgenden Tipp aus dem Reiseführer “Per Anhalter durch die Galaxis” hervor:

Ein Handtuch, heißt es da, ist so ungefähr das nützlichste, was der interstellare Anhalter besitzen kann. Einmal ist es von großem praktischem Wert – man kann sich zum Wärmen darin einwickeln, wenn man über die kalten Monde von Jaglan Beta hüpft; man kann an den leuchtenden Marmorsandstränden von Santriaginus V darauf liegen, wenn man die berauschenden Dämpfe des Meeres einatmet; (…) ; man kann es sich vors Gesicht binden, um sich gegen schädliche Gase zu schützen oder dem Blick des Gefräßigen Plapperkäfers von Traal zu entgehen (ein zum Verrücktwerden dämliches Vieh, es nimmt an, wenn du es nicht siehst, kann es dich auch nicht sehen – bescheuert wie eine Bürste, aber sehr, sehr gefräßig); bei Gefahr kann man sein Handtuch als Notsignal schwenken und sich natürlich damit abtrocknen, wenn es dann noch sauber genug ist.

Was jedoch noch wichtiger ist: Ein Handtuch hat einen immensen psychologischen Wert. Wenn zum Beispiel ein Strag (Strag = Nicht-Anhalter) dahinterkommt, daß ein Anhalter sein Handtuch bei sich hat, wird er automatisch annehmen, er besäße auch Zahnbürste, Waschlappen, Seife, Keksdose, Trinkflasche, Kompaß, Landkarte, Bindfadenrolle, Insektenspray, Regenausrüstung, Raumanzug usw., usw. Und der Strag wird dann dem Anhalter diese oder ein Dutzend andere Dinge bereitwilligst leihen, die der Anhalter zufällig gerade “verloren” hat. Der Strag denkt natürlich, daß ein Mann, der kreuz und quer durch die Galaxis trampt, ein hartes Leben führt, in die dreckigsten Winkel kommt, gegen schreckliche Übermächte kämpft, sich schließlich an sein Ziel durchschlägt und trotzdem noch weiß, wo sein Handtuch ist, eben ein Mann sein muß, auf den man sich verlassen kann.

Douglas Adams: Per Anhalter durch die Galaxis, deutsche Übersetzung

Diese Absätze liefern eine Kostprobe für den schrägen Humor von Douglas Adams, der sich durch die ganze Serie der “Anhalter”-Geschichten zieht. Es verwundert nicht, dass daraus diese verrückt anmutende Tradition enttanden ist. Doch genau das macht den Charme des Towel Day aus: Ein paar Menschen machen etwas Verrücktes, um die Routinen des Alltags ein wenig zu durchbrechen und an großartigen Schriftsteller und sein Werk zu erinnern. Wildfremde Menschen werden einander an diesem Tag an den Handtüchern als “Anhalter”-Fans erkennen. Dadurch erfüllt der Towel Day in gewisser Weise die Soziale Funktion eines religiösen Rituals.

Gleichzeitig ist der Towel Day auch eine atheistische Tradition, da er keiner Gottheit gewidmet ist, sondern dem herausragenden literarischen Werk eines genialen Menschen. Nebenbei war Douglas Adams selbst ein bekennender Atheist. Nictsdestotrotz kann man sagen, dass er sich mit seinem Werk in gewisser Weise unsterblich gemacht hat und so etwas wie ein “Heiliger” unserer Zeit ist (wenn man es nicht nach kirchlichen Maßstäben betrachtet).

Heuer, in Zeiten der weltweiten Pandemie, erweist sich das Handtuch einmal mehr als ausgesprochen nützlich, nämlich zur Verwendung als Mund-Nasen-Abdeckung, wie sie derzeit im öffentlichen Raum gefordert wird (siehe dazu die Anmerkung unten):

Keine Panik in Corona-Zeiten: Heuer bietet sich das Handtuch als Mund-Nasen-Maske an.

Auch die Weisheit “Don’t Panic”, die am Umschlag des Reseführers “Per Anhalter durch die Galaxis” zu lesen ist, ist in diesen Zeiten ein guter Ratgeber.

Schönen Towel Day, und vergesst euer Handtuch nicht!

Anmerkungen:

SARS-CoV2 ist zwar nicht so gefräßig wie der gefräßige Plapperkäfer von Traal, aber ähnlich heimtückisch. Deshalb sollten alle Hygienemaßnahmen beachtet werden, damit das Handtuch als Mund-Nasen-Abdeckung auch etwas bringt:

  • Das Handtuch nach dem Aufsetzen möglichst wenig berühren, vor allem nicht dort, wo potentiell hineingeniest wird.
  • Die geforderten Mindestabstände zu anderen Personen sind auch mit Handtuch einzuhalten.
  • Nach Verwendung das Handtuch in die Waschmaschine geben und Hände und Gesicht gründlich waschen.


Über Martin Marot-Perz

Als Techniker vom Studium und Beruf her kümmert sich Martin Perz um den Online-Auftritt der Atheistischen Religionsgesellschaft. Als Webmaster ist er gewissermaßen der Hüter der (digitalen) Schlüssel dieser (virtuellen) Hallen hier. Gerne schreibt er aber auch als unabhängiger Denker zu weltanschaulichen Themen, Religion und Philosophie.

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