Frieden zwischen Religionen und Kulturen


Seit 2015 ist die Atheistische Religionsgesellschaft am “Dialogforum Ethik” der Initiative Weltethos Österreich (IWEO) beteiligt. Der folgende kurze Text ist auf Einladung durch die Präsidentin der IWEO als ein schriftlicher Beitrag von uns zum derzeit aktuellen Dialogthema entstanden.

Gerne erinnern wir hier an den Astronomen und Wissenschaftsvermittler Carl Sagan. Auf seine Anregung hin wurde von der Raumsonde Voyager 1 im Jahr 1990 aus den Tiefen des Weltalls das rechts zu sehende Bild der Erde geschossen, auf dem unser Planet nur mehr als blassblauer Punkt („Pale blue dot“) zu sehen ist. Aus seiner Sicht macht uns dieses Bild unserer Verantwortung bewusst, „freundlicher und mitfühlender miteinander umzugehen“ und diese „sehr kleine Bühne in einer gigantischen kosmischen Arena“, dieses Staubkorn im Universum, „zu bewahren und wertzuschätzen“ (http://www.bigskyastroclub.org/pale_blue_dot.html).

Aus unserer Perspektive ist es wünschenswert, dass der Umgang mit anderen Religionen und Kulturen auf einer Anerkennung von Rechtsstaatlichkeit und internationalen Grundrechtsvereinbarungen beruht und weltoffen, mit geduldigem Optimismus und auf Augenhöhe praktiziert wird. Wir halten es für erstrebenswert, dazu beizutragen, dass ein gutes Leben für alle Menschen (egal wo und wie sie geboren worden sind) möglich wird. Eine volle Gleichberechtigung aller Geschlechter und sexuellen Identitäten ist uns wichtig. Frieden ist eine Grundvoraussetzung für ein gutes Leben für alle in Vielfalt.

Frieden zwischen Religionen und Kulturen ist leider immer wieder vielfach gefährdet, unserer Einschätzung nach besonders durch Vorurteile, Diskriminierungen (z.B. im Zugang zu Ressourcen), Nationalismus und die Bereitschaft, die eigenen Ansprüche mit unverhältnismäßiger Gewalt durchzusetzen. Mit Gewalt kann am besten umgegangen werden, wenn dabei die ganze Bandbreite von physischer über psychische bis zu symbolischer Gewalt (z.B. Verleumdung) berücksichtigt wird. Gewaltvermeidung, wenn es die Umstände erlauben, sollte immer Priorität haben. Eine intelligente und zielorientierte Vergangenheitsaufarbeitung kann wertvolle Dienste für die Friedensentwicklung erbringen. Tragende Voraussetzung für einen nachhaltigen Frieden ist eine Beteiligung möglichst aller betroffenen Akteurinnen und Akteure an seiner Gestaltung und Wahrung. Dabei sollten Toleranzschwellen den Gegebenheiten angepasst und Friedensbemühungen wertgeschätzt werden, und es sollte eine Bereitschaft gegeben sein, gegen Friedenssabotage wirkungsvoll aufzutreten. Jede erfolgreiche und nachhaltige Aufklärung von Konflikten wird wohl eine Vergegenwärtigung der Probleme sowie die Bereitschaft, offen über die Konfliktursachen zu reden und diese Offenheit auch wertzuschätzen, beinhalten. Ein Interesse an einem nachhaltigen Frieden und gegebenenfalls die Anerkennung, dass wir alle fundamental zum selben Ziel wollen, nämlich dem Frieden, sind ebenso wichtig. All diese Bemühungen sollten ohne Belehrung und Ermahnung stattfinden, mit dem Ziel, ein gutes Leben für alle in Vielfalt zu erreichen.

Wir sehen bei unserer Atheistischen Religionsgesellschaft die Möglichkeit, durch engagierte Dialogbereitschaft, Wertschätzung von Entgegenkommen sowie Weltoffenheit zur Friedensförderung beizutragen. Hierbei möchten wir geduldig, gelassen und ohne Militanz vorgehen sowie Etiquette und kontextualisierte Verhaltensnormen (in einem gewissen Rahmen) wahren.

25. April 2017, Wilfried Apfalter, Nikolaus Bösch, Lukas Kudelka und Martin Perz, Mitglieder der Atheistischen Religionsgesellschaft in Österreich (ARG)

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