Monatliche Archive: März 2016


Wie christliche Theologie auf dem Weg zum Atheismus helfen kann (3) 1

Im ersten Beitrag dieser Serie habe ich über die Anfrage an etliche kirchliche Theologen berichtet, die sich in den Jahren ab 2000 aus meinen Glaubenszweifeln ergeben hat,   Diesmal geht es um einen ausführlicheren Dialog, der sich daraus ergeben hat. Ein Assistent an der gleichen Universität wie Professor PPP (siehe Beitrag (2)), aber evangelisch, hatte zunächst auffallend freundlich geantwortet, z.B. mich gleich in der ersten Reaktion mit “lieber” Herr Geyer angesprochen. In ausführlicher Weise und u.a. an praktischen Beispielen mit seiner eigenen Vaterrolle versuchte er (wie auch manch andere, die es leider noch viel langatmiger taten) mir darzulegen, dass ich die Realität nicht richtig einschätze.

Gotthold Ephraim Lessing

Der Tod 4

Die große Herausforderung des Lebens, ist seine Endlichkeit zu akzeptieren. Das Zusammenwirken und Gegeneinanderstehen der Vorstellung, dass die Welt weiter geht, aber man selbst endet, erzeugt emotionale Reibung. Der Tod ist kein Thema für Kindergeburtstage, und wer an den Tod erinnert macht sich, je nach sozialem Anlass äußerst unbeliebt. Manchmal ist Medizin aber auch bitter, und ebenso kann der richtige Umgang mit dem Tod das Leben schöner machen. Die säkulare Gesellschaft jedenfalls kann mit dem Thema nicht gut umgehen. In den Werbungen sind alte Menschen immer fit, weil sie das richtige Zeug kaufen. Die Unausweichlichkeit des Tages, an dem nichts mehr hilft, wird nicht angesprochen, denn wer würde die Werbung dafür finanzieren? Welches Produkt würde man mit ihm verkaufen?


Wie christliche Theologie auf dem Weg zum Atheismus helfen kann (1) 2

Auf recht verschiedene Weise haben mir christliche Theologen die Abkehr vom Christentum erleichtert. Einer durch sehr großes Verständnis für meine Probleme mit der Theodizee. Genau genommen waren seine eigenen Überlegungen dazu noch radikaler als die meinigen, und das hat mich damals sehr bestärkt. Ein anderer schlicht durch seine barsche Antwort. Und mehrere durch ihr offenbar völliges Unverständnis und ihr hartnäckiges Beharren, ich könne nur im Irrtum sein – da ihre eigene Welt sonst offenbar zusammenbräche. Sehr viele allerdings von denen, die ich damals (in den Jahren 2000 und 2001) angeschrieben habe, haben nicht geantwortet. Aber auch daraus ließ sich etwas ablesen. Über einiges dieser insgesamt fast unüberschaubaren (weil oft ausufernden) schriftlichen Diskussionen mit katholischen wie evangelischen Theologen, darunter Klerikern, Religionslehrern, Religionsjournalisten, Universtätsprofessoren und -assistenten, möchte ich in dieser Serie berichten. Aufgrund des großen Umfangs an Material wird sie sich über fünf Teile erstrecken.


Atheismus – so wenig dogmatisch wie möglich 3

Dogmen (umfassend verstanden, also bei weitem nicht nur religiöse) und Diktate bestimmen weithin unsere Welt. Man mag bedauern, dass die Menschen offenbar nicht gar so gern eigenständig denken – aber um das Faktum, wie sehr wir alle fremdbestimmt sind (uns von Fremden und Fremdem bestimmen lassen), kommen wir nicht herum. Und es gibt auch kein Herumkommen um die Tatsache, dass dies schon öfter katastrophal geendet hat – wenn wir etwa nur an die Beispiele Nationalsozialismus und Stalinismus denken, die nicht einmal 100 Jahre zurück liegen. Für die aktuellen Fremdbestimmungen sind leider sehr viele blind. Und sogar hinterher brauchen viele offenbar noch ziemlich genaue Hinweise, also eine neue Fremdbestimmung, um wenigstens die alte wahrzunehmen.